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  Schwarme 28.04.13
 


Schwarme oder die Premiere wurde zum Höllentrip!

 
Der Bericht sollte eigentlich mit einem kessen Spruch
enden. Letztendlich passt es aber zum Renntag in Schwarme. Es war zwar a…kalt,
aber die Sonne hatte doch schon Kraft. Mein Gesicht spannte abends schon, als
wenn mir jemand am Hinterkopf die Kopfhaut zusammen getackert hatte. Toll, die Fratze
auch noch versengelt.

Aber das ist total egal, wenn man bedenkt, was die
verunfallten Fahrer alles zu erleiden haben. Und das sind Verletzungen, die
nicht in einer Woche verheilt sind. Sch… auf den Sonnenbrand!

Aber der Reihe nach.

Wir starteten, wie gewohnt gut vorbereitet. Das Material
war perfekt hergerichtet. Die Kanne Kaffee für Shorty, den wir heute wieder an
Bord hatten, war auch wieder am Start, und um es vorweg zu nehmen…heute hielt
sie dicht. Das Wetter war perfekt, bisschen windig aber für Rennen einfach
perfekt.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um Katti beim Training
zu beobachten. Nicht nur er, sondern auch die anderen Piloten, ließen schon vermuten,
was da heute abgehen wird. Die Schwarmer Grasbahn war in einem super Zustand.
Wie Katti sagte, war sie am Morgen schon sauschnell. Und sie ist wohl eine der
anspruchsvollsten Bahnen Deutschlands. Sie bietet keine Möglichkeit zur
Erholung. Eine richtige Gerade gibt es nicht. Die Geschwindigkeit ist durchweg
hoch bei 140 – 150 km/h. Sie bietet keinen Raum für Fehler. Und sie wurde von
Lauf zu Lauf immer schneller.

Das Fahrerfeld bot schon mal einen Vorgeschmack auf die
Langbahn-GP Saison. Nicht weniger als 8 Piloten waren am Start. Auch bei den
Gespannen war alles am Band, was Rang und Namen hat.

Dazu B-Lizenz Solo und Gespannen, Junioren ohne Ende. Es
war angerichtet für den perfekten Renntag.

Die Junioren zeigten, dass da doch etwas geht auf
deutschen Bahnen. Nachwuchs ist vorhanden. Lukas Fienhage dominierte die
Junior-C. Maximum, perfekt. Mika Meijer tat gleiches bei den Junior-B und Tom
Finger bei den Junior-A.

Highlight war für uns natürlich hier schon mal das
Abschneiden von M11 Ketelsen. Man da war aber einer sauer nach dem ersten Lauf,
der Mechaniker-Papa bekam da ganz schön was zu hören. Die Maschine lief nicht
einwandfrei. Der Fahrer war stinkesauer. Trotzdem rettete M11 den 2.Platz ins
Ziel. Unermüdlich wurde da geschraubt bis zum 2. Lauf. Und siehe da, die 50er
ging plötzlich wie Sau. Der 2. Platz in der Gesamtwertung war total verdient.
Und der junge Pilot war wieder obenauf. Es gibt nichts schöneres, als diese
jungen Rennsportler glücklich zu sehen. Daumen hoch, Melf!

Die B-Lizenz Solo dominierte Tom Lamek mit seinem
unnachahmlichen Fahrstil. Schräglagen wie beim Eisspeedway…der absolute
Wahnsinn!

Die B-Seitenwagen gewannen Daniel Eibl/Marco Fiecker. Sie
profitierten aber von einem Cowboy-Start von Motk/Burger, die bis dahin auf
Maximumkurs waren. Sie überschlugen sich, Matthias Motk wurde vom wieder
landenden Gespann getroffen und am Fuß verletzt. Wohl eher noch einer der
leichteren Verletzungen des heutigen Tages.

Die I-Gespanne ließen keinen Zweifel daran, dass hier die
absolute Weltelite am Start war. Der wiedergenesene William Matthijssen zeigte
allen, wo der Hammer hängt. Selbst Tommy Kunert als Europameister konnte heute
nicht folgen. Am besten hielten noch Sven Holstein und Oliver Wehrle mit, dem es
als einzigen gelang, William einen Punkt abzunehmen. Dies aber erst in einem
sensationellen Finale, in dem Tommy Kunert einmal seine Klasse zeigte und sich
an die Spitze kämpfte. Doch der Teufel steckte im Detail. Vor der letzten Kurve
gab der Motor seinen Geist auf. Oliver Wehrle zog vorbei und gewann vor William
Matthijssen.

So und da wären nun bei dem, wovon man noch lange sprechen
wird und auch alle derzeit sprechen.

Bereits im Pflichttraining landete der Rettungshubschrauber
zum ersten Mal, um Matten Kröger abzutransportieren. Was war passiert? Matten
fuhr vor Bernd Diener in die Startkurve, Bernd versuchte innen durchzufahren,
wo es schon sehr eng war und dann passierte es. Matten flog ab, Mensch und Maschine
wie Marionetten gleich in hohem Bogen durch die Luft. Die beiden „alten Männer“
hatten sich behakt. War das nötig? Das lass ich mal unbeantwortet.

Matten wurde mit einer Handverletzung behandelt, wobei es
dann doch noch erforderlich wurde, ihn ins Krankenhaus zu verbringen. Über die
genauen Verletzungen ( auch der nachgenannten gestürzten Piloten) wurde auf
speedway.org bereits ausführlich berichtet, so dass ich hier darauf verzichte.

Matten hat scheinbar die Seuche zur Zeit.


Es dauerte nicht lange, da flog dann Appe Mustonen
spektakulär ab. Trotz Auslaufzone schlug er noch heftig in die Bande ein. Auch
er wurde mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert.

Den tragischen Höhepunkt der Veranstaltung gab es dann im
Finale der I-Solo. Der bis dato ungeschlagene und absolut schnellste am
heutigen Tage Theo Pijper kam nicht gut aus dem Band. Hinter Jannick de Jong,
Katti und Jeffrey Woortmann fuhr er nur an 4. Stelle. Nach zwei Runden rollte
er sogar von der Bahn.

Und dann passierte das, was der Besucher einfach nicht sehen
will. Auf dem Highspeedkurs fuhr Jeffrey Woortmann nun auf das Hinterrad von
Katti und stürzte spektakulär. Was dann schnell klar wurde, war, dass es
diesmal sehr heftig ausgehen würde.  Hut
ab, vor der Reaktion von Hülse, der wahrscheinlich noch schlimmeres verhinderte
und sich beim Ausweichmanöver auch nicht unerheblich verletzte.

Aufgrund der Schwere von Jeffreys Verletzung wurde das
Finale verständlicherweise nicht wiederholt.


Die Stimmung war jetzt total weg. Sprachlos, irgendwie
leer, versuchten wir, das eben passierte zu verarbeiten. Jeder hatte so seine
eigene Version der Situation.


Total konsterniert fuhren wir nach Hause, immer in der
Hoffnung, dass es für alle Verletzten doch noch ein Wunder geben würde und alle
nicht so schwer verletzt sind.


Wir wünschen allen Piloten alles Gute und dass sie bald
wieder gesund werden!!!!


 
Wer letztendlich das Rennen gewonnen hat, interessiert am
heutigen Tag überhaupt nicht.


Verlierer ist hoffentlich nicht der Bahnsport. Das sind
die Seiten des Sports, die wir natürlich nicht sehen wollen und uns auf keinen
Fall wünschen. Aber, auch diese Facette gehört, so tragisch es auch für die
Beteiligten ist, einfach dazu. Der Rennsport ist ein gefährlicher Sport.

Dem Veranstalter einen Vorwurf zu machen, wäre sicherlich
unfair, hatten sie doch alles für einen tollen Renntag Erforderliche getan.


Es gibt halt solche Tage…da läuft einfach alles in die
falsche Richtung…


 
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