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  Vechta 15.09.12
 
Das Wahnsinns-Langbahnfinale von Vechta
oder auch
Die Kaffeefahrt
15.09.12

Endlich war es so weit. Das Rennen, auf das wir ein Jahr lang hingefiebert hatten, stand bevor. Mit zugegeben noch jungfräulichem neuen größeren Catmobil ging es los nach Vechta zum Langbahnfinale. Was das für eine Geschichte wurde, hätten wir uns vorher nicht so ausgemalt. Wir hatten einiges vor - wir wollten noch mehr Radau machen, wir wollten mit dem Catman Geburtstag feiern und wir wollten den Einzug in den GP 2013 unter Dach und Fach bringen. Hierauf hatten wir hingearbeitet.

Das Catmobil war bis unters Dach gefüllt, mit Dingen, die der Bahnsportfan so zum Überleben für zweieinhalb Tage so braucht. Wir würden auf jeden Fall nicht verhungern und schon gar nicht verdursten.

Zur Verstärkung hatten wir diesmal Shorty von Beginn an dabei.

Wir starteten wir besprochen, hörten aber auch gleich, dass die A 23 in der Baustelle bei Hohenfelde wegen eines Unfalles komplett gesperrt war. Pfiffig wie wir waren, wollten wir nun über Land fahren. Ja und da waren dann aber auch alle anderen, die von der Autobahn abgeleitet wurden. Das führte dazu, dass wir 1,5 Stunden für ca. 40 km brauchte, um wieder auf die A 23 zu gelangen. Wir waren also schon in Verzug.

Jetzt passierte es, Shortys Ausgehanzug für den Renntag, wurde beschmutzt. Eine unserer Kaffeekannen (!!!) war nicht richtig verschlossen und lief unglücklicherweise direkt in seine Reisetasche. T-Shirt, Pulli und Jacke trieften nur so. Und man glaubt ja gar nicht, wie kalter Kaffe stinken kann. Unglaublich. Mir tat dies unendlich leid, denn ich wäre auch total deprimiert gewesen. Und wie wir dann feststellten hatte er seinen Cowboyhut bei mir an der Gaderobe hängen lassen, als er noch einen, ja genau, Kaffee trank.

Aber wir konnten Shorty mit der richtigen Medizin wieder zum Leben erwecken.

Letztlich brauchten wir 5 Std. statt der erhofften 3 Std. bis Vechta.

Wir waren aber noch pünktlich zum Training da. Zu diesem Zeitpunkt nieselte es ein wenig.

Alle anwesenden Fahrer erlebten eine doch relativ griffige Bahn, wobei der erfahrene Vechta-Besucher weiss, dass die Bahn beim Rennen komplett anders sein würde. Es fehlten noch die Aspiranten auf den Vize-Titel Smoli und Theo Pijper.
Alle anderen waren auf der Bahn. Ungewöhnlich häufig war Joonas Kylmäkorpi auf der Bahn. Auf das Startbandtraining verzichteten bis auf 5 Fahrer aber fast alle.

Unser Mann war zufrieden und zuversichtlich für das Rennen. Das hörte  sich gut an, hatte er sich doch sehr viel vorgenommen für seinen Geburtstag.

Nach dem Training hatten wir Katti zum gemeinsamen Grillen eingeladen. Und er kam unserer Einladung auch nach und musste dann mit uns, da wir ja 2 Std. Zeitverzug hatten, das Vorzelt am Wohnwagen aufbauen, ...im einzigen richtigen Regenschauer am Nachmittag. So stellte man sich Camping eigentlich nicht vor...aber wir geben nie auf!

Frisch gestärkt ging es dann ins Festzelt zur Fahrervorstellung. Leider waren, wie in den letzten Jahren auch, nicht alle Fahrer dort.

Um Mitternacht kam dann der große Moment. Wir wollten unser Geschenk an das Geburtstagskind Katti überreichen. Einer musste noch einige Worte sagen. Eigenartigerweise sahen alle mich an und siehe da, da hatte ich auch schon das Mikro in der Hand. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich doch ein wenig aufgeregt war und weiß im Nachhinein nicht mehr genau, was ich gesagt habe. Ich hoffe, ich habe nicht zuviel Unfug geredet. Jedenfalls gratulierten wir Katti mit einem Ständchen und unserem Geschenk. Bei einigen liefen sogar ein paar Krokodilstränen.

Ein Ständchen für Andrea war auch noch drin, die ebenfalls Geburtstag hatte.

Sichtlich kaputt vom Tag gingen wir sehr zufrieden und voller Zuversicht schlafen.

Am nächsten morgen stotterte der Motor bei uns doch ein wenig. Aber nach einem perfekten Frühstüch von #31 hergerichtet, wurde auch das flaue Gefühl im Magen weniger.

Wir konnten schon die Junioren beim Training hören und wussten hier aber noch nicht, was sie für ein geniales Rennen abliefern würden, schließlich ging es bei ihnen ja um den WM-Titel in der 250 ccm Klasse.

Bis es losging, bauten wir unseren Kommandostand auf und ließen alle Geräte einmal zum Test laufen. Neu dabei war die Radausäge, die wieder zu Kopfschütteln bei unseren Sitznachbarn führte. Aber es hat funktioniert und ich denke wir waren auch auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions zu hören.

Kleine Kostprobe?         ...hier gehts ab!


Und wieder einmal, stellten wir die unglaubliche Anziehungskraft fest, die unser Banner ausübt. Man findet uns einfach besser, nicht wahr, Marvyn und Milan? Echt cool Euer Megaphon!


Es sollte eines der genialsten Rennen werden, bei denen wir bislang waren. 

Es begann mit den 250er Junioren. Was hier abging, war aller Ehren wert. Die Youngsters zeigten Bahnsport vom Allerfeinsten. Letztendlich blieb nur die Frage, wer von den beiden von Robert Barth betreuten Raketen den Titel holen würde. Am Ende war es der Franzose Dimitri Berge, der den Titel vor Michael Härtel und Daniel Spiller gewann, der sich nach einem Sturz im 1. Durchgang förmlich ins Finale gekämpft hatte.

Beeindruckend war hierbei, dass Berge schnellere Zeiten fuhr als die Internationalen später in den ersten Durchgängen im GP-Finale. Das war schon sehr genial.

Bei den Junior B Rennen zeigte Lukas Fienhage mal wieder, dass er ein sehr großes Potenzial in sich birgt. Mit Maximum und absolut ungefährdet gewann er von Niels-Oliver Wessel und Fabian Wachs.

Bei den Gespannen ging dann richtig die Post ab. Als wenn es um den Weltmeistertitel ginge, gaben die Fahrer wirklich alles. Dermaßen spannende Rennen mit so vielen Positioswechseln und Überholmanövern habe ich lange nicht gesehen. Was diese Damen und Herren hier zeigten, war Werbung für den Gespannsport. Kein Meter, nein kein Zentimeter, wurde hergegeben. Wer nicht Platz machte, wurde von hinten angeschoben und angestubst. Das war Gespannfahren auf aller höchster Ebene und absolut am Limit. Da passte teilweise kein Blatt Papier mehr zwischen die Gespanne, so eng war es. Mehr geht nicht, auf keinen Fall.
Da muss ich einfach mal sagen: Das war einfach geil!

Gewinner waren am Ende Stefan Brandhofer/Schädler vor Hundsrucker/Balz und Holstein/Auwema, denen im Finale das Rad vom Beiwagen wegflog und Hundsrucker/Balz fast geköpft hätten.


So und nun zum Höhepunkt des Tages!

Das Finale, dass diesen Namen wirklich verdient hatte. Es ging noch mal richtig um die Wurst. Joonas war noch nicht ganz durch, hatte aber einen komfortablen Vorsprung. Interressant war der Kampf um Platz 2. Theo Pijper, Pepe Franc und Smoli hatten die besten Aussichten Vize-Weltmeister zu werden. Und im letzten Lauf wurde dies erst entschieden. Das Finale vom Finale hätte auch Alfred Hitchcock nicht spannender schreiben können. Aber der Reihe nach.

Die Katze hatte sich viel vorgenommen. Blieb aber leider hinter seinen Zielen zurück. Der erwünschte Geburtstagsgeschenk, dass er sich selbst und uns Fans machen wollte, blieb leider auf der Strecke. Sein Sturz nach der Berührung von Ricki Janoschka in seinem 2. Lauf brachte ihn dermaßen aus dem Tritt, dass schon vor den Semis für ihn Feierabend war. Was ihn allerdings auszeichnet ist, dass er sich hinstellt und die Schuld nicht bei anderen sucht, sondern nur bei sich selbst. Woanders habe ich gelesen, man muss nicht immer gewinnen, um Sieger zu sein. Das trifft es wohl perfekt. Katti dafür lieben wir Dich. Die Entschuldigung ist angekommen, war aber für uns gar nicht erforderlich, denn beim nächsten Mal läuft es wieder besser. Leider wurde es somit nichts, mit der direkten Qualifikation für den GP 2013. Nun müssen wir doch die Umleitung über Marienbad in Kauf nehmen. Wir drücken jetzt schon mal die Daumen.

Im Kampf um den Titel, gingen unsere Gedanken ehrlicherweise in die Richtung, Joonas fährt die noch fehlenden Punkte ein und macht dann einen auf Larifari. Aber ganz im Gegenteil strafte er uns Lügen und zeigte noch mal allen, warum er absolut zurecht wieder Weltmeister wurde. Platz 1 im Finale und ein Lächeln bei der Siegerehrung. Gratulation, Joonas!

Man hätte glauben können, Smoli funkte nach den 1. Lauf "Houston, wir haben ein Problem!" Ohne Training auf der Bahn, weil er noch am Freitag Liga in England fuhr, lief es noch nicht rund. Doch was dann kam, glich eher der Apollo 13 Mission. Das Motorrad gewechselt und wir dachten, er hätte jetzt eine Rakete unterm Hintern. Das Egon-Müller-Aggregat ging wirklich ab, dass es nur so qualmte. Smoli wollte den Vize-Titel, das merkte man und gewann ihn absolut verdient. Wenn auch erst im letzten Lauf, und weil Pepe Franc im Finale nur Letzter wurde. Aber so ist das, abgerechnet wird zu Schluss. Respekt, Herr Smolinski! Gratulation zur Vize-Weltmeisterschaft.

Gesamtdritter wurde auch nicht unverdient Pepe Franc, der Theo Pijper um 2 Punkte übertraf. Einen Platz auf dem Treppchen hätten wir Theo auch gegönnt, hinsichtlich der doch so schweren Erkrankung seines Schwagers Bert van Essen. Wir wünschen Euch das erdenklich Beste, dass alles wieder gut wird!!!!!

Dritter im heutigen GP wurde Cameron Woodward, der somit sein Ticket für die nächste GP-Saison löste, war er es doch, der es als einziger schaffte, innen zu überholen. Er rasierte immer auf der weißen Linien zum Infield entlang, während alle anderen eher die Außenbahn vorzogen.

Weiterhin qualifizierten sich Jörg Tebbe und Matten Kröger noch für den GP 2013. Sehr erstaunlich und absolut großartig war die Leistung von Matten Kröger, der noch drei Wochen zuvor so schwer in Eenrum gestürzt war. Hut ab, schwarzer Mann! Wir freuen uns für Dich!


Was bleibt, ist die Erinnerung an einem perfekten Renntag.
Die Bahn gab dieses Jahr keinen Anlass zur Beanstandung, wenn sie auch hart wie Beton war. Einen Strahl bekam heute keiner ab.
Der Ablauf war selten so straff, wie in diesem Jahr, zur Überraschung war das Rennen bereits um kurz nach 22.30 Uhr beendet.
Die Hütte war voll und alle Anwesenden haben Bahnsport vom Feinsten gesehen, jeder der das Finale verpasst hat, müsste vor Ärger im Boden versinken.

Ein großes Kompliment an das Organisatorenteam des AC Vechta, das war ganz großes Kino.

Ich wurde noch zum Fernsehstar, weil Schubi mir auch noch mal das Micro unter die Nase hielt, um zu hören, was die Fans von der Veranstaltung halten. Per Kamera auf die großen Leinwände, herrlich!

So geht Langbahn-GP in Deutschland, ...sensationell!


Kaputt von den Strapazen vom Vortag fielen wir erschöpft ins Wohnwagenbett.

Das hat sich wieder gelohnt! Und wir kommen wieder!!!!!!Bestimmt!

Was bleibt, ist auch wieder die Erkenntnis, dass es sehr, sehr viele nette Menschen gibt, die unser Hobby teilen. So lernten wir den Bahnsport-Fan-Camper und Nobby Röller nebst den beiden sehr sympathischen Ehefrauen kennen. Wir fachsimpelten mit Hans und Andreas und den Vespa-Boy aus Frankreich kennen wir nun auch. Eine sehr nette Zeit verbrachten wir mit Kelly, unserem "Schatzi" aus Holland!


Am Sonntag fuhren wir dann zurück. Unsere Verpflegungsbestände waren gen Null vertilgt, die Knie zitterten noch, ...von der Erschöpfung und wegen des Schlafmangels! Grins!!!!


Unterwegs noch schnell ein Käffchen für 5 € an der Autobahnraststätte gekauft, und ........richtig! Im Auto verschüttet. Da schließt sich der Kreis wieder.


Oder war das ganze doch nur eine Kaffeefahrt?

In diesem Sinne...


#30
 
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